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Wie aus Daten Stories werden: Datenjournalismus und künstliche Intelligenz

Anfang April titelt ”Spiegel online" mit starken Worten: "OffshoreLeaks: Gigantisches Netzwerk der Steuerhinterzieher enthüllt". Nicht nur SPON widmet sich dem Thema, weltweit berichten Medien von den Resultaten der Arbeit des Journalistennetzwerks ICIJ, die die großen, ihnen zugespielte Datenberge aus den Archiven von OffShore-Steueroasen ausgewertet haben. Dass das keine einfache Aufgabe war, das konnten die Teilnehmer der Vortragsveranstaltung des EX e.V. Mitte November aus erster Hand erfahren.

Einer der OffShore-Leaks-Auswerter, Sebastian Mondial, berichtete, wie er zum Auswerterteam in Washington stieß und auf welchen teils konspirativen Wegen Festplatten und Backups ausgetauscht wurden. Auch wenn es ein ganzes Team von Journalisten aus aller Welt tätig war - zum Schluss beschäftigten sich fast 90 Berichterstatter damit - gab es doch auch viele Erkenntnisse, die dank ausgeklügelter Forensik-Software eher im stillen Datenkämmerlein zutage traten, wie Mondial erzählte. Vor seiner Zeit als freier Datenjournalist hatte er unter anderem mitgeholfen, die regiodata-Redaktion der dpa mitaufzubauen. Doch dpa war offenbar seiner Zeit zu weit voraus, denn regiodata musste mangels ausreichendem Interesse wieder eingestellt werden.

Dass andernorts Redaktionen mit Datenjournalisten weit früher eingerichtet wurden - und immer noch arbeiten, darüber informierte an diesem Abend Katharina Bons die Zuhörer. Die Diplom-Journalistin stellte ihre Abschlussarbeit zum Datenjournalismus vor, die im Mai vom EX e.V. mit dem ersten Platz beim Will-Schaber-Preis 2013 ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit verglich die Situation in Deutschland mit der in Großbritannien - während es dort, etwa beim Guardian, bereits eine gewisse Tradition in Sachen Datenjournalismus gebe, täten sich deutsche Redaktionen noch schwer. Auch sie verwies auf die dpa-Projektredaktion. Für Einsteiger ins Thema war an Bons Arbeit besonders interessant, dass sie sich auch kritisch mit dem Begriff auseinandersetzt. So ist auch für die englischen Experten durchaus nicht ausgemacht, welchen Anteil die Visualisierung im Datenjournalismus habe. Dass sie, insbesondere im Netz, zur Attraktivität und Verständlichkeit beitragen kann, zeigte Bons an Beispielen wie dem ZEIT-Artikel über die Telefondaten von Malte Spitz auf – hier nachzuschauen.

Den Bogen zur Informatik schließlich schlug Prof. Kristian Kersting, seit dem aktuellen Semester am Lehrstuhl für künstliche Intelligenz der Fakultät für Informatik der TU Dortmund tätig. Sein Fachgebiet: Data Mining. Also in etwa das, was die Forensiksoftware der OffShore-Rechercheure macht. Allerdings wurde recht schnell deutlich, dass es bei dem, was die Informatiker auch gern "Big Data" nennen, noch um ganz andere Datenmengen geht als um 300 GB oder 2,5 Millionen Dokumente. Viel mehr Daten in extrem kurzer Zeit oder anderen Einschränkungen automatisiert zu verarbeiten, das erfordert ganz neue Analysemethoden und an denen arbeiten die Dortmunder Wissenschaftler. Aktuelle Tools nehmen bei der Analyse etwa bewusst eine bestimmte Fehlerquote in Kauf, sonst sind selbst schnellste Rechenmethoden nicht schnell genug. Schnell sei ohnehin relativ, betonte Kersting. So entstünden bei einem Neutrino-Analyseprojekt in der Antarktis so viele Meßdaten, dass deren Transport via Datenleitung länger dauern würde, als die Daten auf Festplatten dem nächsten Versorgungsschiff mitzugeben.

Vergleichsweise schnell waren die Mitglieder des EX e.V. im nichtöffentlichen Teil der Veranstaltung. Zu den Hauptthemen zählte die turnusmäßige Wahl des neuen Vorstands, der sich mit Ausnahme der bisherigen Schatzmeisterin Angelika Mikus zur Wiederwahl stellte. Frank Lobigs als zweiter und Armin Hingst als erster Vorsitzender wurden ohne Gegenstimme in ihren Ämtern bestätigt, Livia Rüger als neue Schatzmeisterin gewählt. Armin Hingst dankte Angelika Mikus im Namen der Mitglieder für ihren Einsatz in den vergangenen drei Jahren und zeigte Verständnis dafür, dass die Arbeit als TU-Pressesprecherin nicht mehr viel Raum für ein Engagement im EX lasse. Ein herzliches Dankeschön ging auch an die langjährigen Kassenprüfer Stefanie Opitz und Lothar Hausmann, die ihr Amt ebenfalls abgeben wollten. Zu ihren Nachfolgern wurden Ingo Reich und Peter Schwarz gewählt.

16. November 2013, 19:21 Uhr