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Kurt Koszyk, der Nestor der Deutschen Pressegeschichte, ist tot

Journalismus als Studienfach - das war in den 70ern ein neuer
Gedanke. Kurt Koszyk, Gründer des Studiengangs für Journalistik in
Dortmund und Autor eines Standardwerks über die Geschichte der
deutschen Presse starb am 1. Januar in München.

Von Thomas Schiller (epd)


Kurt Koszyk, einer der führenden deutschen
Pressehistoriker ist tot. Er starb zum Jahreswechsel in München im
Alter von 85 Jahren. Koszyk war der Gründer des Instituts für
Journalistik der Technischen Universität Dortmund, das er ab 1977 -
noch an der damaligen Pädagogischen Hochschule Ruhr - aufgebaut hat.
Er hinterlässt ein umfangreiches wissenschaftliches Werk, darunter
die «Geschichte der deutschen Presse» - bis heute ein Standardwerk.

   Um die vier grünen Bände kommt auch heute kein angehender
Journalist herum, der sich mit der Geschichte seines Berufs
auseinandersetzen will. Der beschriebene Zeitraum wurde von Band zu
Band kürzer, Koszyks Bücher aber dicker: das 19. Jahrhundert in 372
Seiten, für die vier Nachkriegsjahre bis 1949 immerhin 522 Seiten.
Der erste Band stammte noch aus der Feder von Margot Lindemann,
Koszyks langjähriger Stellvertreterin am Institut für
Zeitungsforschung der Stadt Dortmund. Dessen umfangreiche Sammlungen
von Zeitungs-Folianten und Mikrofilmen waren ein Eldorado für jeden
historisch Interessierten. 20 Jahre lang war Koszyk hier
Institutsdirektor, und in dieser Zeit begann seine Ära als
Hochschullehrer.

   Von einem Lehrstuhl in Bochum wechselte er 1977 nach Dortmund als
Gründungsprofessor des neuen Studiengangs Journalistik. Der
NRW-Wissenschaftsminister, der damals Johannes Rau hieß, hatte Koszyk
zum Leiter einer Planungskommission berufen. Mit Wissenschaftlern und
Medienpraktikern, Verlegern und Gewerkschaftern entwickelte er das
Modell einer Ausbildung von Redakteuren auf wissenschaftlicher Basis
- ein Gedanke, der in dieser Zeit von den meisten «Volontärvätern» in
den Redaktionen als überflüssig, unmöglich, wenn nicht gar bedrohlich
empfunden wurde. Und so stießen die ersten Absolventen in Zeitungen
und Sendern auf eine gehörige Portion Skepsis.

   Inzwischen ist die Ausbildung mit ihrem kalkulierten Mix aus
Theorie und Praxis anerkannt, Koszyks Schüler von einst sind in den
Medien etabliert. Chefredakteure von Fernsehsendern und
Tageszeitungen, Hochschullehrer für Qualitätsjournalismus - sie alle
lernten bei Kurt Koszyk die Geschichte ihrer Branche und ihres Berufs
- die Namen, die Daten, gewürzt mit bissigen Pointen. Für die
Dortmunder Studenten war Koszyk eine Institution - unaufgeregt und
stets skeptisch gegenüber allem Modischen.

   Am 31. Mai 1929 wurde Kurt Koszyk in Dortmund geboren. Sein Vater
arbeitete als Redakteur für das Wolffsche Telegraphenbüro, bis er
nach der Machtübernahme der Nazis geschasst wurde. In den 30er Jahren
brachte Erich Koszyk oft Freunde mit nach Hause. Im Wohnzimmer der
Familie in der Feldherrnstraße, einer Arbeitergegend im Dortmunder
Norden, trafen sich Sozialdemokraten hinter verschlossenen Türen.

   Sohn Kurt machte 1949 am humanistischen Stadtgymnasium Abitur und
begann zu studieren, in Münster, Oxford und München. Während der
Semesterferien volontierte er bei der «Westfälischen Rundschau». Bei
dem damaligen SPD-Blatt arbeitete er nach seiner Promotion bei Karl
d'Ester über die sozialdemokratische Presse im Ruhrgebiet zunächst
als Redakteur, bis er sich im Alter von 28 Jahren entschied, nicht
für die Zeitung zu arbeiten, sondern sie zu erforschen.

   1992 wurde Kurt Koszyk emeritiert, er siedelte nach München über
und beobachtete aus der Ferne, wie sich seine Heimatstadt veränderte.
Er selbst ist stets Dortmunder geblieben. In seiner Heimatstadt wird
er beigesetzt.

epd ts jup

09. Januar 2015, 08:38 Uhr