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Will-Schaber-Preis 2014 verliehen: Rekord erneut getoppt - 20 Bewerbungen (Kopie 1)

Der Wettbewerb zum Will-Schaber-Preis wird offenbar immer attraktiver - waren im vergangenen Jahr schon 18 Bewerber dabei, stieg die Zahl der Teilnehmer auf nun 20. Das Rennen machte eine Arbeit über die Zukunft des Lokaljournalismus: Sie untersuchte, wie das Paywall-Angebot einer Regionalzeitung von den Nutzern beurteilt wird.

Auch die anderen 19 Arbeiten konnten sich sehen lassen, so dass die Jury (der Vereinsvorstand aus Prof. Frank Lobigs, Livia Rüger und Armin Hingst als Vorsitzendem) wieder die Qual der Wahl hatte. Zwar gibt es seit 2012 immerhin drei Plätze beim Wettbewerb zu vergeben, doch sind die eingereichten Arbeiten in der Regel mindestens mit besseren als guten Noten bewertet, so dass es nicht leicht ist, sich festzulegen. Allerdings gibt es klare Kriterien. So soll der Preis für "herausragende journalistikwissenschaftliche Leistung und großen Bezug zur Praxis in Redaktionen und Medienhäusern" verliehen werden. Arbeiten, die zwar sehr interessante Einzelfälle gut beleuchten, aber kaum übertragbar sind, haben es daher schwer.

Der diesjährige Sieger, Tobias Jochheim, hat die Jury überzeugt, weil sich seine Arbeit mit einer für unseren Beruf zukunftsträchtigen Frage beschäftigt - nämlich wie sich guter Journalismus finanzieren lässt, wo doch alle Welt alle Inhalte umsonst im Internet finden kann. Interessanterweise scheinen im Lokaljournalismus Freemium-Modelle durchaus eine Chance zu haben, wenn sie relevante regionale Nachrichten gut aufbereiten. Soll heißen: die Leser sind durchaus bereit, nach einer bestimmten Zahl frei ansehbarer Beiträge weitere lokale Inhalte zu bezahlen. Das ist eines der Ergebnisse seiner Studie, die in enger Zusammenarbeit mit einer Regionalzeitung entstanden ist. Weil er vom Verlag unterstützt wurde, konnte die Studie auch mit einer für studentische Arbeiten hochprofessionellen Zahl von Nutzern arbeiten - und so verlässlichere Ergebnisse liefern. Ein Fazit also: Guter Lokaljournalismus ist den Internetnutzern durchaus etwas wert. Der Jury auch, denn der erste Platz ist mit einem Preisgeld von 500 €, einem Druckkostenzuschuss bei einer Veröffentlichung der Arbeit von 1000 € sowie bis zu 500 € Reisekosten für einen wissenschaftlichen Vortrag dotiert. Titel seiner Arbeit: „Heimatgeschehen – Welche Inhalte lokale Leser hinter die Paywall locken".

Zweite wurde Helene Pawlitzki mit ihrer Arbeit: „Alles erlaubt im App-Streit? Objektivität in der Selbstberichterstattung am Beispiel der Berichterstattung von Tageszeitungen und öffentlich-rechtlichen Medien". Pawlitzki gelingt es, nicht nur offenzulegen, wie "gefärbt" die Berichterstattung beim 2011/2012 ausgefochtenen Streit um die APP der Tagesschau von beiden Seiten (Verleger und öffentlich-rechtliche Sender) war. Sie schafft es auch, ihre Erkenntnisse auf eine breitere Basis zu stellen und sich anzuschauen, wie es denn bei den Medien um Berichterstattung in eigener Sache generell bestellt ist. Zudem zeigt sie nicht nur Unzulänglichkeiten auf, sondern wies auch Wege, wie sich mit dem Problem besser umgehen lässt. Für den zweiten Platz gibt es ein Preisgeld von 300 € sowie einen Druckkostenzuschuss von bis zu 500 €.

Den dritten Platz belegte Daniel Gehrmann. Seine Arbeit "Generation offprint? Was 20- bis 29-Jährige (nicht) lesen“ untersucht, welche inhaltlichen und gestalterischen Ansprüche Print-Berichterstattung erfüllen muss, um auch für die so umworbene Zielgruppe der jungen Erwachsenen interessant zu sein. Da gibt es durchaus Hoffnungsschimmer und keinen Grund, komplett zu resignieren. Allerdings muss es gelingen, relevante Inhalte prominent zu platzieren. Relevant heißt für die jungen Leser nicht nur Informationen aus der Region (die für diese Zielgruppe ähnlich wichtig ist wie für Ältere). Sondern unter anderem auch Inhalte, die mit Lebensweltlichem zu tun haben, das in der Zukunft wichtig wird (etwa zur Entwicklung des Arbeitsmarkts). Eher uninteressant ist demnach die intensive Auseinandersetzung mit Vergangenem. Auch diese Studie entstand in enger Zusammenarbeit mit einem Verlag und nutzte die "Readerscan"-Technik, bei der die Probanden mit einem Stift die passagen markieren, die sie lesen, was einer vergleichsweise natürlichen Lesesituation entspricht. Die Ehrung umfasst ein Preisgeld von 200 € und einen Druckkostenzuschuss von bis zu 500 €.

09. Mai 2014, 22:00 Uhr